Flugsportring Kraichgau e.V. SinsHEIM

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- Trudeltraining beim LSV Worms -
Trudeln - ein Flugzustand, der selbst manch „gestandenem Piloten“ die Schweißperlen auf die Stirn treibt. Dabei ist die „Rotation des fliegenden Geräts“ noch lange kein Grund zur Be-unruhigung. Viel mehr: Im Segelflug ist das erlernen des Ausleitens aus dem Trudeln ein fester Bestandteil der Ausbildung.
Doch was ist, wenn diese schon einige Zeit zurückliegt? Beim Flugsportring Kraichgau e.V. (FSR) ist er öfter zu Gast: Der MDM-1 „Fox“ des Fördervereins Segelkunstflug Baden-Württembergs. Einige Fluglehrer des FSR sind schließlich auch im Segelkunstflug aktiv und so bestehen entsprechende Voraussetzungen alle notwendigen Handgriffe regelmäßig zu üben.
Ebenfalls besteht ein entsprechender Austausch mit den Nachbarvereinen, teilweise mit gemeinsamen Trainings, Mitarbeit bei Fluglehrerfortbildungen und mehr. Im Gegenzug sind also auch einige Piloten und Fluglehrer auf entfernteren Plätzen aktiv und vermitteln dort, gemeinsam mit dem Förderverein Segelkunstflug, wie ein Flugzeug auch in etwas seltsameren Fluglagen stets unter Kontrolle bleibt. So konnte ein „Trainerstab“, gemischt aus Piloten aus Sinsheim und Malsch, sowie seitens des Fördervereins Segelkunstflug am vergangenen Wochenende in Worms den Fox ausführen und dort mit dem LSV Worms fleißig die Erde drehen lassen..
Abschließend waren sich alle einig: Es hat nicht nur viel Spass gemacht, sondern auch Einblicke gegeben, was bei diesem Flugzustand so passiert und das die Beherrschung selbigen kein Hexenwerk ist. Auch das Maskottchen „Fauli“ der Wormser Fliegerkameraden darf nun stolz einen Eintrag im eigenen Flugbuch vorweisen..

Link zum Bilderblog:
https://www.flickr.com/photos/flugsportringkraichgau/albums/72157711366373683

Text: FSR Kraichgau e.V.

Bild: Christiane Neumann / LSV Worms

2019 10 20 trudeltraining

"Du hast also geheiratet?" So oft, wie ich diese Frage im Laufe der letzten Woche gehört habe, wären mir bestimmt sehr bald die Ringfinger ausgegangen. Ein Foto, auf dem meine Vereinskameraden in mühevoller Handarbeit mein Hosenbodengefühl einmas-sieren, stieß ebenso auf pauschales Unverständnis..
An dieser Stelle ist mir wieder einmal schmerzlich bewusst geworden, was in der nicht fliegenden Bevölkerung (sog. Fuß-gänger) noch alles an Aufklärungsarbeit zu leisten ist.
Ich bin Martin, 28 Jahre, begeisterter Segelflugschüler und aufgrund einer an-geborenen Tetraparese Rollstuhlfahrer mit körperlichen Einschränkungen in Armen und Beinen. Seit zwei Jahren fliege ich beim FSR Kraichgau e.V. auf einer umgebauten Schulungsmaschine des Typs ASK21.
Das Seitenruder, welches normalerweise ausschließlich über Pedale bedient wird, lässt sich hier wahlweise auch mit einem Handhebel an der linken Bordwand ansteuern. Die Landeklappen sind zusätzlich fest rastbar.
Ob ich also geheiratet hätte? "Nein, nein", habe ich dann gesagt und mein feierlichstes Gesicht aufgesetzt: "Ich bin letzten Sonntag zum ersten Mal alleine geflogen! Da bekommt man eben einen Brennesselstrauß, an den ein leichter Juckreiz an Händen und Unterarmen noch 5 Tage später erinnert. Ach ja, und außerdem wird man kräftig verhauen."
Und ja, liebe Fußgänger, alle diese Ereignisse sind höchst erfreulich und man arbeitet darauf hin: Für jeden Piloten markiert der erste ganz und gar selbständig durchgeführte Flug ohne einen Lehrer an Bord einen nicht zu unterschätzenden, unvergesslichen Einschnitt in der fliegerischen Karriere. Vielleicht so in etwa vergleichbar mit dem Übertritt von der Grund- auf die weiterführende Schule. Jetzt ist man wirklich dabei und das große Ziel Pilotenschein wird deutlich am Horizont erkennbar.
Auch jetzt, mit einer Woche Abstand vom 13.10.19 kann ich es noch nicht ganz fassen und lasse die Erinnerungen noch einmal hochkommen.

"So, dann machst du jetzt noch einen Start und ich schau' dir zu."
Ich denke zunächst, ich habe mich verhört, höre irgendetwas von wegen "Noch ein Start" und beginne gedanklich schon einmal wie gehabt mit meinen Abflugcheck. Dann allerdings nimmt jemand den zweiten Fallschirm aus dem hinteren Sitz heraus, schließt UND verriegelt die hintere Haube ohne einzusteigen. Ganz allmählich wird mir klar, was hier gerade passiert. Etwas unsicher schaue ich zum Start, wo sich ein Fluglehrer gerade grinsend auf den Weg macht, zu mir kommt und sagt: "Du darfst jetzt alleine fliegen, Martin."
Soweit noch rekonstruierbar, hier ein Auszug aus meinen Gedanken, die hoffentlich nicht alle sichtbar nach außen geworden sind:
•    Ich, alleine? Wie jetzt? Kann ich das?
•    ICH KANN DAS NICHT!
•    Verrückt: Jetzt habe ich mir das immer gewünscht und erträumt, jetzt ist es soweit und ich habe Bammel!
•    Was mache ich jetzt? Soll ich kneifen? Schließlich sitze ich schon drin.
•    Andererseits: die Perspektive ist schon mal dieselbe wie immer (eigentlich gut, dass man den Lehrer nie sieht)
•    Das Flugzeug ist auch dasselbe wie immer.
•    Die Abläufe, der Platz, das Wetter, alles exakt dasselbe wie vor 5 Minuten
•    Und wenn ich seit 2 Jahren immer dasselbe mache, zwei Fluglehrer mir bestätigen, dass ich das kann und das Funk funktioniert, warum eigentlich nicht? Irgendwann ist es halt so weit.
Also tief durchatmen, Haube zu, Abflugcheck und einklinken. Jetzt geht's gleich los. Wirklich los!
Und dann geht es auch los. Aber alles wie immer. Etwas zu früh nachgelassen vielleicht und dadurch Schlepphöhe verschenkt, aber keine bösen Überraschungen. Das Seil fällt ab, dreimal nachgeklinkt ist, der Horizont passt und ausgetrimmt ist die Maschine auch. Ein erster Moment der Entspannung.
Viel Zeit dafür bleibt bei den folgenden vier Kreisen allerdings nicht. Einmal links rum, einmal rechts rum, das alles habe ich schon über 200 Mal gemacht und gesehen. Eine kurze Korrektur kommt über Funk und ich bin schon wieder fast auf 400 m, für mich Positionshöhe.
Jetzt nochmal volle Konzentration für die Landung. Aufrichten, ausrichten, Landecheck. Vieles funktioniert unterbewusst von ganz allein. „Nutze einen langen Queranflug und einen langen Endanflug“, geistert es irgendwo in meinem Kopf herum. Natürlich sitzt da keiner hinter mir, aber ich höre es trotzdem. Ich will ja nicht wieder zu hoch reinkommen. Die Endanflugkurve ist geschafft und ich frohlocke innerlich: Die Perspektive passt. Auf ins große Finale!
Klappen raus, einrasten, Nase unten lassen. Eine kurze Beurteilung der Lage, noch zu hoch, Klappen ganz raus und rasten. Nase unten lassen. Gut, dass ich so hoch war, ich habe jetzt alle Zeit der Welt, um mich mit beiden Händen ums Ausrichten, Verflachen und Abfangen zu kümmern.
Nase unten lassen. Den Seitenruderhebel leicht nach hinten ziehen, damit die Nase nach rechts wandert. Genau da will ich sie haben, das ist die Landerichtung. Und jetzt ziehen, ziehen, zieh...Rumms! Der Boden hat mich wieder. Schnell die Hand vom Seitenruder weg, an die Bremsklappen und mit der Radbremse vorsichtig bremsen. Bisschen noch, noch ein bisschen. Es wird leiser, langsamer. Und das Flugzeug steht.
Meinen Freudenschrei, so meine ich, müsste man eigentlich noch am Start gehört haben. Was man am Start zum Glück nicht mitbekommen hat, ist, dass ich vor dem Abhol-kommando vor lauter Freude dann doch tatsächlich ein bisschen heulen musste!
Das war er also, der erste Alleinflug. Natürlich darf und muss jetzt auch gefeiert werden. Ich habe meinen Brennesselstrauss umarmt, mich standesgemäß verhauen lassen und Glückwünsche entgegengenommen. Auf Augenhöhe und im Stehen, dem Anlass angemessen. Danach - und das gilt auch jetzt noch - habe ich mich ein ganzes Stück "weniger behindert" gefühlt als vorher.
Ich finde: Nehmt alle Rituale und Traditionen mit, egal ob sie euch vielleicht auch schräg vorkommen, und genießt sie. Es mag kitschig klingen, aber von Zeit zu Zeit darf man das auch mal ausschreiben: Erst in der Gemeinschaft mit meinen Vereinskameraden, die mich bis an diesen Punkt gebracht haben und sich jetzt mit mir freuen, wird mir der 13.10.19 absolut unvergesslich bleiben.
Liebe Freunde: Es ist unmöglich, an dieser Stelle sämtliche Vereinsmitglieder des FSR aufzuzählen. Alle kenne ich auch gar nicht persönlich. Und trotzdem geht mein Dank an jede und jeden einzelnen von euch. Durch eure Mitgliedschaft, eure Offenheit dazu, schon vor Jahren eine Seitenruder-Handsteuerung einzubauen, eure Hartnäckigkeit, eure Zeit und eure unglaubliche Hilfsbereitschaft über den Flugbetrieb hinaus habt ihr mir Flügel gegeben. Dafür in meinem Namen und auch im Namen der Interessens-gemeinschaft luftsporttreibender Behinderter, die Rolli Flieger e.V. (www.rolliflieger.de) ein riesengroßes Dankeschön.
Eine Sache ist natürlich trotz der großen Freude noch ganz wichtig: Die eigentliche Arbeit geht jetzt nämlich erst richtig los. In dem Moment nämlich, in dem der Fluglehrer hinten aussteigt, werde ich schlagartig zu meinem eigenen Lehrer. Noch nie habe ich eine 5 minütige Platzrunde derart bewusst wahrgenommen, meine Entscheidungen so bewusst getroffen und mir meine Fehler anschließend so bewusst gemacht. Selbst schon nach einem Alleinflug lasse ich mich zu der These hinreißen: Alleine Fliegen bringt eine neue, große Ernsthaftigkeit und Verantwortung ins Cockpit, gleichzeitig schießt die Lernkurve durch die Decke. Diese Tatsache, in Kombination mit einer großen Portion Selbstbewusstsein ist ein wirklich tolles Gefühl und ich freue mich sehr auf die nächsten Ausbildungsabschnitte. Nach dem gelungenen Übertritt kommt jetzt ja quasi die "fliegerische Pubertät". Mit hoffentlich mehr Höhen als Tiefen, viel Raum für selbständige Weiterentwicklung und zum Glück völlig ohne Pickel.
Natürlich werden die nächsten Flüge immer noch sehr aufregend sein und unter anderem habe ich große Angst, über den kommenden Winter alles wieder zu vergessen. Aber einen ganz großen, wichtigen Schritt bin ich jetzt schon mal gegangen - wohlgemerkt ohne jemals richtig Fußgänger gewesen zu sein.
Ich bin vielleicht nicht verheiratet. Aber, meine Freundin möge es mir nachsehen, vielleicht bin ich ja verlobt. Sie heißt D-9721, ist (in meinen Augen) durchaus hübsch und ich kann es kaum mehr erwarten, im nächsten Jahr viel Zeit mit ihr in trauter Zweisamkeit zu verbringen und endlich (wieder) unter die Haube zu kommen.

Bis nächste Saison, ob am Boden oder in der Luft
Euer Martin

Link zum Bilderblog:
https://www.flickr.com/photos/flugsportringkraichgau/albums/72157711363963406

Text: Martin Köhl
Bild: FSR Kraichgau e.V.

2019 10 23 Alleinflug

- Vom Kraichgau in die Berge -

Der Vereinsurlaub in St. Auban ist jedes Jahr ein Highlight für die Mitglieder des Flugsportring Kraichgau e.V., aber auch ein Paradies für viele andere Segelflieger. Fliegen an den Hangkanten in Frankreich ist ein komplett anderes Fliegen als bei uns im Kraichgau. Man kann in ganz anderen Höhen herumschwirren und die Erfahrung an der Hangkante zu kurbeln ist sehr aufregend.
Auch dieses Jahr gab es viele Highlights die den Urlaub zu etwas ganz Besonderen gemacht haben. So machten sich also die Mitglieder auf den Weg nach Südfrankreich. Dabei ist schon die Fahrt in die Provence etwas Schönes, da man sieht wie sich die Landschaft verändert und auch der Baustil der Häuser etwas anders ist wie bei uns. Die Fahrt nach Chateau-Arnoux Saint-Auban dauert etwa 10 Stunden und ist durchaus anstrengend..
Desto schöner war es dann, als wir das schöne Begrüßungschild mit einem Segelflieger gesehen haben und auch der Kreisel, welcher einem zum Flugplatz führt, steht im Zeichen des Fliegens.
Wenn man zum ersten Mal in die Berge fliegen geht, sollte man mit einem Piloten fliegen, der schon einige Erfahrungen hat. So ist nicht jeder jeden Tag geflogen. Für die, die am Boden waren, gab es Alternativ- programm. Viele haben sich die Umgebung angeschaut und Ausflüge gemacht. So haben wir die Zitadelle in Sisteron besucht oder einen Ausflug ans Meer gemacht, welches nur 1,5 Stunden vom Flugplatz entfernt liegt. Sonntags haben wir den Markt in der Innenstadt besucht. Hier hat man echte, französische Spezialitäten probieren können. Über Käse bis hin zu Melonen gab es alle Köstlichkeiten, welche die Provence zu bieten hat.
Im Durchschnitt hatten wir etwa 33 Grad Celsius, also Wetter das man eigentlich nur in der Luft aushalten kann, aber auch hier hat sich der Flugplatz etwas für die, die am Boden geblieben sind, ausgedacht: Dem Campingplatz war ein Pool angegliedert an dem man super der Hitze entfliehen konnte! Mein persönliches Highlight natürlich nach dem Fliegen war der Besuch einer typischen französischen „Herberge“. Dort haben wir super Essen bekommen, welches von den Hausherren selbst angebaut wird. Die meisten Abende haben wir zusammen ausklingen lassen und auch untereinander haben wir uns besser kennlernen können.
Allgemein kann ich im Namen aller Mitglieder sagen, dass es ein sehr schöner und gelungener Urlaub war, den man gerne wiederholen möchte!

Link zum Bilderblog:
https://www.flickr.com/photos/flugsportringkraichgau/albums/72157711421939641

Text / Bild: Annina Müller

 2019 10 23 VereinsurlaubAuban.docx

 
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